Zukunft erleben in Niederwinkling. Wallstabe & Schneider investiert sieben Millionen Euro in Neubauten.

Einweihung_Neubauten

(v.l.) Die Geschäftsführenden Gesellschafter Christian und Jürgen Wallstabe, Mischereileiter David Miodonski, Projektleiter René Bolterauer, Instandhaltungsleiter Christian Schauer und Technischer Geschäftsführer Kai Peters nach der Schlüsselübergabe für die Neubauten.

13.10.2018 (ew) Unter dem Motto „Zukunft erleben“ lud Dichtungshersteller Wallstabe & Schneider am 13. Oktober zur Eröffnung seiner Erweiterungsbauten ein. Mehr als 180 Ehrengäste kamen zu den Feierlichkeiten nach Niederwinkling. Sieben Millionen Euro investierte der Automobilzulieferer in die Zukunft seines Hauptsitzes und realisierte damit drei Projekte: Den Aufbau einer zweiten Kneterlinie, die Erweiterung des Mischereikomplexes durch eine neue Logistikhalle und den Bau eines neuen Instandhaltungsgebäudes.

„Wir investieren regelmäßig in die Zukunft unseres Unternehmens, um uns im anspruchsvollen Markt der Automobilindustrie gut zu positionieren. Der Ausbau unserer Produktionskapazitäten ist dabei sehr wichtig. Genauso wichtig ist allerdings, dass wir unseren Mitarbeitern ein modernes Arbeitsumfeld bieten können, auch im Hinblick auf die Akquise neuer Mitarbeiter“, erläuterte Geschäftsführender Gesellschafter Christian Wallstabe.

Wallstabe & Schneider produziert die für die Herstellung von Gummidichtungen nötigen Elastomermischungen zum Großteil selbst. Über 200 verschiedenen Mischungsrezepturen sind momentan im Einsatz. Durch die gute Auftragslage in der Branche und das stetige Wachstum des Unternehmens wurde das Mischereigebäude zu klein und der bestehende Kneter mit 45 Litern Chargenvolumen reichte nicht mehr aus, um genügend Material zu produzieren. Für 4,1 Millionen Euro wurde eine zweite Kneterlinie angeschafft. Herzstück des Ganzen ist ein 90 Liter Kneter, durch den zusammen mit dem bestehenden Kneter die Mischungskapazität verdreifacht werden kann. Bedient wird diese Anlage von qualifizierten Fachkräften, wie zum Beispiel dem Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik, die von Wallstabe & Schneider selbst ausgebildet werden.

Zu der Gesamtanlage gehört auch eine automatische Beschickung, die den Kautschuk bzw. die Vormischung automatisch einzieht, abwiegt, abschneidet und in den Kneter fördert. Diesen verlässt die verarbeitete Mischung mit einer Temperatur zwischen 100 und 140 °C. Danach wird der Mischungsballen ausgeformt, homogenisiert und gekühlt. Mittels einer Zahnradpumpe wird die Mischung durch ein Sieb gepresst, um eventuelle Verunreinigungen zu filtern. Dieser Prozess, das sogenannte Strainern, musste früher mit großem Aufwand in einem separaten Arbeitsgang durchgeführt werden, in der neuen Kneterlinie ist der Vorgang integriert. Dies bedeutet eine weitere Verbesserung der Materialqualität sowie eine große Zeitersparnis. Die Batch-off-Anlage ist die letzte Station der Kneterlinie, in dieser wird die Mischung weiter gekühlt, bis sie ungefähr Raumtemperatur erreicht hat, passend zugeschnitten und automatisch verpackt. Hier hat die Mischung von Anfang bis Ende eine Distanz von rund 45 Metern zurückgelegt.

Die fertigen Mischungen können im neuen Erweiterungsbau der Mischerei, einer Logistikhalle im Wert von 1,3 Millionen Euro, bis zu ihrer Verwendung aufbewahrt werden. Das Gebäude, das in Holzbauweise erstellt wurde, ist neun Meter hoch, hat eine Grundfläche von 590 m² und bietet Lagerfläche für 580 Gitterboxen. Zwei Andockstationen für LKW vereinfachen die Anlieferung von Rohstoffen und die Abholung der Mischungen, die zum Teil auch an Fertigungspartner von Wallstabe & Schneider verschickt werden.

„Mit den Investitionen in den Ausbau unseres Mischereikomplexes werden wir unserem Anspruch als Qualitäts- und Innovationsführer auch in Zukunft gerecht,“ freut sich Technischer Geschäftsführer Kai Peters.

In das dritte Projekt, den Neubau eines modernen Instandhaltungsgebäudes, wurden 1,6 Millionen Euro investiert. Hier wird künftig das Ersatzteillager für alle Anlagen im Unternehmen zentralisiert und automatisch verwaltet. Ein automatisiertes Shuttle-Regalsystem mit 400 m² Nutzfläche im Wert von rund 80.000 Euro wurde dafür angeschafft.

Auf zwei Etagen und einem Zwischengeschoss befinden sich die elektrische und die mechanische Werkstatt, Büros, ein Besprechungsraum sowie Sozialräume für 39 Instandhaltungsmitarbeiter und 13 Auszubildende. Die Instandhaltungsmitarbeiter bei Wallstabe & Schneider sind dafür zuständig, den gesamten Maschinenpark und die Gebäudetechnik des Unternehmens zu warten und zu reparieren. Eine wichtige Rolle spielen sie auch beim Ausbau der Digitalisierung in der Produktion, hier bauen sie nötige Infrastruktur mit auf. In den Instandhaltungsteams arbeiten überwiegend Industriemechaniker, Elektroniker und Mechatroniker, aber auch der Energie- und Umweltmanager, der Abfallbeauftragte und der Betriebsservice zählen dazu.

Höhenverstellbare Schreibtische und Werkbänke schaffen ein ergonomisches Arbeitsumfeld für die Instandhaltungsmitarbeiter, mobile Absauganlagen schützen vor Dämpfen, die bei Schweiß- und Trennarbeiten entstehen. Die Elektrowerkstatt ist aus Sicherheitsgründen mit einem ableitfähigen Boden ausgestattet. Durch ein Wärmerückgewinnungssystem wird die Abwärme des Mischereigebäudes zum Heizen des Instandhaltungsgebäudes verwendet. Über ein digitales Steuerungssystem können Beleuchtung und Heizung energieeffizient und individuell geregelt werden. Die LED-Beleuchtung in allen Räumen stellt sich durch integrierte Lichtsensorik automatisch auf die herrschenden Lichtverhältnisse ein. Die Bodenbeläge bestehen, im Hinblick auf den wichtigsten Rohstoff zur Dichtungsherstellung, aus Kautschuk mit eingestreutem Bayerwald-Granit.